Liebe Besucherin, lieber Besucher
Haben Sie sich einmal gefragt, warum man eher historische Gebäude und Landschaften schützt oder Kunst, Literatur und andere geistige Errungenschaften fördert, und sich kaum um die Essgewohnheiten oder die traditionsreichen regionalen Produkte kümmert? Sind die Ersten Lieblingskinder des aufgeklärten Bürgertums und die Zweiten eher die Nachkommen eines überholten, rückständigen Bauernstandes?
Die Vermutung liegt nahe, dass unsere postindustrielle Gesellschaft dabei ist, dem Essen sein kulturelles Wesen zu entziehen. Essen als jene Handlung, wie auch die Liebe, die den Menschen von allen anderen Lebewesen unterscheidet, hat zusehends an sozialen Wert verloren. In der Tat, heute ist eine vierköpfige Schweizer Familie bereit, mehr Geld für Kleider oder für die Telekommunikation als für das Essen auszugeben. Und nicht von ungefähr spricht man heute von Ernährung und nicht mehr vom Essen. Als wären wir Pflanzen, Tiere oder gar Maschinen. Das Bild des Autofahrers drängt sich auf, der seinen Wagen mit Benzin versorgt und gleichzeitig Fast Food vertilgt. Es geht ja nur darum, funktionstüchtig zu bleiben, nicht wahr?
Dabei ist die Geschichte eines jeden Volkes auch die Geschichte dessen, was es gegessen hat. Um das Essen - und später um das Bestellen der Felder - sind zum Beispiel Erntefeste, Rituale, Musik, Malerei, ja sogar die Religionen entstanden. Die Agrikultur ist die Mutter aller Kulturen.
Und nun sollen wir innerhalb einer oder zweier Generationen all dies über Bord werfen, als wäre die Geschichte eine Last und nicht eine Bereicherung? Nicht mit uns! Sagen wir in der Slow Food-Bewegung. Dabei geht es uns nicht nur um die Rettung eines tausendjährigen alten Wissens, sondern auch um den Schutz der Biodiversität, um die Erhaltung der nachhaltigen Landwirtschaft und des Handwerks, um die Würde der Produzentinnen und Produzenten auf der ganzen Welt. Wichtig für uns ist eine Esskultur, die auf guten, sauberen und gerechten Produkten basiert.
Das alles tun wir weder mit dem Mahnfinger noch mit Protestaktionen, sondern mit viel Freude und Genuss, wie Sie den Informationen auf dieser Website entnehmen können. Nach dem Lesen werden Sie sich bestimmt fragen: Worauf warte ich, Mitglied von Slow Food zu werden?
Unsere Türen stehen weit offen.
Bis bald also, Ihr
Rafael Pérez
Präsident Slow Food Schweiz.

